Präsentation

 

Ich heiße Victoria Gällman Harnesk und wurde Anfang der 70er Jahre in der nordschwedischen Stadt Porjus geboren. Ich bin Samin und finde es wichtig, von meinem Volk und unserer Kultur zu erzählen. Außerdem macht es mir sehr viel Spaß.

Um auch die Gefühle des samischen Lebens vermitteln zu können, bediene ich mich u.a. des Jojk. Der Jojk ist die uralte, eigene Ausdrucksweise der Samen. Man benutzt verschiedene Stimmnuancen, um Gefühle und Geschichten wiederzugeben, ohne zu viele Wörter zu benutzen. Ursprünglich lebten die Samen weit entfernt von der westlichen Musik, deshalb hat der Jojk viele charakteristische Merkmale, die sich über einen langen Zeitraum hinweg erhalten haben. Mein Wissen, meine eigenen Erinnerungen und Erlebnisse begleiten mich neben dem Jojk bei meinen Auftritten.  

Meine Familie wohnt im Sommer in Enonjalme am Fuße des Akkamassivs im nordschwedischen Lappland, genau dort, wo der Rastplatz des Padjalanta-Wanderwegs nahe dem Bootsanleger liegt. Für den Wanderer ist der Rastplatz ein guter Ort, um eine Pause einzulegen, den Rucksack umzupacken oder auf das Touristenboot zu warten, das ihn nach Ritsem auf die andere Seite des Sees Akkajaure bringt. Durch diese günstige geographische Lage hatte ich die Möglichkeit, Menschen aus der ganzen Welt zu begegnen. Viele hatten Fragen zu den Samen und ihrer Kultur. Als ich klein war, habe ich mich jeden Tag mit den Touristen unterhalten, die dort vorbeikamen. Einige von ihnen haben sich im Zelt meiner Großmutter mit ans Feuer gesetzt und wurden Freunde fürs Leben. Wir haben ihnen geräucherten Fisch, „Glödkakor“ (eine Art Fladenbrot) und Kunsthandwerk verkauft, wenn wir etwas hatten, das wir ihnen anbieten konnten.  

Heute sind meine Informationstreffen nicht mehr so spontan wie früher in den Bergen, heute sind sie organisiert. Ich treffe unterschiedlich Gruppen, große und kleine. Normalerweise buchen mich Firmen oder Organisationen, darunter auch Minister und sehr bekannte internationale Organisationen, für ihre Mitarbeiter oder ihre ausländischen Gäste. Ich war auch schon einige Male zu Gast im Fernsehen und im Radio. 

Seit 2001 lebe ich auf der Insel Lidingö bei Stockholm und bin mit einem Schweden verheiratet. Ich habe Kinder, die ganz anders aufwachsen, als ich früher. Das gibt mir natürlich Anlass, über meine Identität und die Identität meiner Kinder nachzudenken. Denn ich stehe mit einem Fuß in meiner samischen Kultur und mit dem anderen Fuß in der schwedischen.

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1934: Das Kind auf dem Bild ist die Schwester meiner Großmutter, Inger Maria Partapuoli (verheiratete Nutti), mit ihrer Mutter Maximiliana Partapuoli (geborene Piltto). Die ältere Frau ist Maximilianas Tante, Kristina Hotti (geborene Piltto). Sie sind hier zu sehen in Vaisaluokta am Fuße des Pållnotjåkkå am Ufer des Akkajaure. Der See ist heute ein Teil des größten Wasserreservoirs Europas. Die Stelle, an der das Sami-Zelt steht, liegt seit der zweiten Regulierung des Suorvastaudamms unter Wasser. Sie erfolgte einige Jahre nach dieser Aufnahme.  

Das Foto hat ein deutscher Tourist aufgenommen.


 

1947: Auf dem Foto sieht man Frauen beim Säubern von Fischen in Vaisaluokta am Ufer des Akkajaure. Von links: Maximiliana Partapuoli mit ihren Töchtern Inger Maria und Ella Karin, meiner Großmutter. Im Hintergrund sieht man Nikkosanjarga und Ritsem. Auch diese Stelle liegt heute unter Wasser.

Das Foto hat Henrik Päiviö aufgenommen.